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Ernährung · Ausdauersport

Wie viele Kohlenhydrate brauchst du wirklich auf dem Rad?

Die alte Faustregel von 60–90 g pro Stunde wird zunehmend infrage gestellt. Neuere Studien zeigen einen klaren Dosis-Wirkungs-Effekt bis 120 g/h – aber nicht jeder verträgt das ohne Gewöhnung.

Erhaltene Leistung nach 3h
Critical Power nach 3h moderater Belastung, dosisabhängig erhalten. Quelle: Norte et al. (2026), Scand J Med Sci SportsStudie
Die alte Guideline

Woher die 90-Gramm-Regel kommt.

Die 2016er-Sporternährungs-Guidelines des American College of Sports Medicine empfahlen bis zu 90 g Kohlenhydrate pro Stunde aus Mehrfachtransport-Quellen (z. B. Glukose + Fruktose) für Belastungen über 2,5 bis 3 Stunden. Das war über Jahre der Standard – und ist es für viele Freizeitfahrer weiterhin ein guter Ausgangspunkt.

Was sich ändert

Die neue Obergrenze: 120 g/h.

Aktuelle Reviews und Studien deuten auf einen messbaren Zusatznutzen höherer Dosen hin – mit klaren Einschränkungen.

Dosis-Wirkungs-Effekt bewiesen

RCT · 2026
Design: 0 / 60 / 120 g/h, 3h Belastung · n: 16 Athleten

120 g/h begrenzte den Abfall der Critical Power nach 3 Stunden deutlich stärker als 60 g/h (−4 % vs. −7 % vs. −15 % bei reinem Wasser). Erster direkter Nachweis eines Dosis-Effekts auf die Leistungs-Dauer-Beziehung.

Studie: Norte et al. (2026), Scand J Med Sci Sports. Quelle

Guideline-Update im Kommen

Review
Fokus: Radsport, Marathon, Ultra

Ein umfassendes Update-Review argumentiert, dass sich die Obergrenze für trainierte Athleten plausibel von 90 auf 120 g/h verschiebt – weil sowohl exogene als auch Ganzkörper-Oxidationsraten bei höherer Dosis steigen können.

Quelle: Morton et al. (2026), The Journal of Nutrition. Quelle

Aber: kein Beweis im Kurztest

Einschränkung
Kontext: Profi-Peloton, Etappenrennen

Bei kürzeren Testprotokollen zeigte ≥100 g/h keinen klaren direkten Performance-Vorteil gegenüber 60–90 g/h. Der Nutzen wird eher über mehrtägige Belastung sichtbar – durch bessere Glykogen-Resynthese und Erholung.

Quelle: Sports Medicine Review (2025). Quelle

Individuelle GrenzeMehr ist nicht automatisch besser

Nicht jeder verträgt 120 g/h ohne Magen-Darm-Probleme. Die Kapazität zur Kohlenhydrat-Oxidation lässt sich trainieren („Gut-Training") – ein plötzlicher Sprung auf hohe Dosen im Wettkampf ist riskant.

Timing egalFrequenz spielt kaum eine Rolle

Eine Vergleichsstudie fand keinen Unterschied zwischen 22,5 g alle 15 Minuten und 45 g alle 30 Minuten – weder bei Physiologie noch bei Magen-Darm-Symptomen. Wähle die Strategie, die sich im Training bewährt hat.

Quelle: PMC (2025). Quelle
Praxis-Tabelle

Richtwerte nach Belastungsdauer.

Ein guter Startpunkt – die individuelle Verträglichkeit entscheidet über die genaue Dosis.

BelastungsdauerKohlenhydrateHinweis
unter 60 minmeist nicht nötigWasser reicht in der Regel
60–150 min30–60 g/hKlassischer Grundbereich
über 150 min60–90 g/hACSM-Standardempfehlung
bei Gewöhnung / lange Etappenbis 120 g/hNur mit trainierter Verträglichkeit
Wichtig: Teste jede neue Fueling-Strategie im Training – nie zum ersten Mal am Wettkampftag. Der Darm braucht Wochen, um sich an höhere Dosen zu gewöhnen.

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FAQ

Häufige Fragen zu Kohlenhydraten im Training

Sind 120 g/h für jeden sinnvoll?+
Nein. Die Verträglichkeit ist individuell und muss trainiert werden. Wer 120 g/h ohne Gewöhnung versucht, riskiert Magen-Darm-Probleme. Der Darm lässt sich wie ein Muskel an höhere Dosen gewöhnen.
Spielt die Fütterungsfrequenz eine Rolle?+
Laut aktueller Studienlage kaum. Größere Portionen seltener (z. B. 45 g alle 30 Minuten) sind ebenso wirksam wie kleinere Portionen häufiger, ohne Nachteile bei Verträglichkeit oder Stoffwechsel.
Wie viele Kohlenhydrate brauche ich bei einer 2-Stunden-Ausfahrt?+
Bei Belastungen unter 60 Minuten ist Fueling meist nicht nötig. Zwischen 60 und 150 Minuten sind 30 bis 60 g pro Stunde ein guter Richtwert, darüber hinaus 60 bis 90 g/h, bei guter Gewöhnung auch mehr.